Govinda e.V.
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News-Archiv - 2007

Weihnachten 2007

Dez 2007

20

Liebe Freunde,

wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu, ein Jahr in dem Ihr unser Wirken in und für Nepal ermöglicht und begleitet habt. Und auch nach nunmehr fast zehn Jahren konnten wir Dank dieser vielfältigen materiellen, ideellen und auch oft persönlichen Hilfe genug Kraft und Ressourcen aufbringen mehr hilfsbedürftigen Menschen professionell und direkt zu helfen. Neben unserem Waisenhaus, den zwei Schulen, und dem Ausbildungs und Schulpatenschaftsprojekt konnten wir dadurch in 2007 zusätzlich zu einem Ausbildungsprogram im Westen Nepals ein neues Mikrokreditprojekt für mehrere 2300 Menschen starten und unsere Hilfe noch nachhaltiger werden lassen. Es sind nunmehr 7 Projekte die dank Eurer Unterstützung tagtäglich funktionieren und mehr als 1200 Kindern und Studenten sowie weiteren 3600 Menschen in der ärmsten Region des Landes ein zu Hause, ein täglich Brot, Schulbildung und vor allem Zukunftsperspektiven bieten.

Nicht nur hier bei uns auch in Nepal ist es winterlich kalt geworden, und eine Zeit angebrochen in denen die Tage mit Dunkelheit beginnen und enden. Eine Zeit der Besinnlichkeit im Kerzenlicht, des Geniessens der Gemütlichkeit und Zusammenseins ist bei uns angebrochen. Ob jeder dieser Jahreszeit etwas Positives abgewinnt ist nicht zu beantworten und sicher gibt es Menschen die mehr unter ihr leiden.
Sicher ist das sie uns darauf verweist, wie abhängig wir doch von einem sozialen Netz, Licht, Wärme und Geborgenheit und noch vielem Anderen sind. Abhängigkeiten die wir im Alltag kaum merken und auch zum Teil ausgeblendet werden.
Mit Eurer Unterstützung konnten wir den Menschen in unseren Projekten, die eine Vielzahl an unvorstellbaren Abhängigkeiten erleben müssen, einen kleinen Schritt zu mehr Selbstbestimmtheit und Eigenständigkeit ermöglichen und die tagtägliche Wirklichkeit im Leben, Lachen und Weinen von Ihnen mit Perspektiven versehen.

Dafür möchten wir Ihnen als Team der Govinda Entwicklungshilfe e.V. in Deutschland, der Shangrila Entwicklungshilfe in der Schweiz, der Shangrila association in Nepal, der Aktionskreise in Berlin, Dresden, Stuttgart und Zürich und nicht zuletzt der unterstützten Kinder und Menschen in den Gemeinden Westnepals herzlich danken.

Herzliche Grüsse

Euer Vorstandsteam von der Govinda Entwicklungshilfe e.V.

i.A. der Shangrila Entwicklungshilfe Schweiz und Shangrila association/ Nepal

Newsletter Herbst 2007

Nov 2007

01

Liebe Freunde,

beiliegend senden wir Euch den dritten Newsletter 2007, mit vielen Infos aus und um die Projekte in Nepal: GOVinfo3_2007.pdf

Wir wünschen Euch schon jetzt einen ruhigen Jahresausklang 07 und danken für die jahrelange Unterstützung, mit der all diese Projekte erst möglich geworden sind.

Für das Jahr 2008 haben wir auch diesmal einen Kalender, den Moni Lehmann erstellt hat und der durch das Netzwerk P in Stuttgart gesponsort wurde: Kalender_Bestellung_08.pdf

Herzliche Grüsse

Euer Vorstandsteam

Filmpremiere "Die vergessenen Kinder Westnepals"

Okt 2007

26

Liebe Freunde,

wir freuen uns den Film "Die vergessenen Kinder Westnepals" von Christina Voigt, die ein weiteres Mal in unseren Projekten filmte, anzukündigen.

FILMPREMIERE:
in AALEN / Kino am Kocher / Mittwoch, 21. November 2007, 19 Uhr weitere Aufführungen in Aalen Fr 23.11. 22.30 Uhr / Sa 24.11. 20.00 Uhr / Di 27.11. 20.00 / Fr 30.11. 20.00 Uhr / So 2.12. 20.00 Uhr Aufführung in Ellwangen Fr 23.11. 19 Uhr / Kino Ellwangen

Filminfo:
Im Shangrila Waisenhaus in Nepal leben 52 Waisenkinder. Einige von ihnen kommen aus dem entlegenen Westnepal. Seit Jahren wünschen sie sich, wieder einmal ihre Heimat zu besuchen: die schwer erreichbaren und vergessenen Bergdörfer im West-Himalaya. Im April 2007, nach mehr als 6 Jahren, begeben sich die Kinder in den Schulferien auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Auf einer mehrtägigen Wanderung durch die Karnali Zone, der ärmsten Region im Westen Nepals, besuchen sie die Dörfer, in der sie ihre früheste Kindheit verbrachten. Die Begegnung mit verbliebenen Angehörigen wird zu einer Begegnung mit der eigenen schwierigen Vergangenheit.

"Die vergessenen Kinder Westnepals"
EIN FILM VON CHRISTINA VOIGT IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER GOVINDA ENTWICKLUNGSHILFE.e.V.
Nepal 2007 / 90 min / Original mit deutschen Untertiteln

DEUTSCHLAND FILM TOUR 2008:
westnepal.com/tour.html" contenteditable="false">westnepal.com/tour.html
weitere Aufführungen in Berlin, Dresden, Stuttgart, Frankfurt, Leipzig und vielen anderen Städten folgen.

Laufende Informationen unter: westnepal.com und christinavoigt.com

Wir freuen uns auf Euer Kommen.

Herzliche Grüsse,
Euer Vorstandsteam

Details zum Govinda Wochenende

Sep 2007

13

Liebe Freunde,

für unser diesjähriges Govinda Wochenende vom 21.-23.9.2007 in Mühlleiten übersende ich Euch nachfolgende die Adresse und eine kurze Anfahrtsskizze. Wir haben bereits einige Anmeldungen erhalten und versenden diese Informationen an alle, um Kurzentschlossenen die Möglichkeit einer Nachmeldung zu geben (die bitte bis Montag an unser Büro erfolgen sollte).

Adresse: Dorfgasse 8 08248 Mühlleiten

Ankunft ab 17.00.

Anfahrt: Autobahn A 72 Hof-Dresden

Abfahrt Plauen -Ost. Richtung Falkenstein auf B173/169

Bis Falkenstein fahren.

In Ortsmitte Falkenstein in Richtung Hammerbrücke rechts abbiegen
In Hammerbrücke Richtung Tannenbergsthal abbiegen. In Tannenbergsthal dann auf B 238 Richtung Klingelthal
Nach 8 km kommt Mühlleiten. Achtung sehr kleiner Ort, dass ihr nicht vorbei fahrt!! Rechts Skilifte.
Links Ferienhotel Mühlleiten.
Am Ferienhotel links von Hauptstr. abfahren. Nach 50 m links in Dorfgasse einfahren. Letztes Haus ganz unten ist unseres.

Lieben Gruß und ein gute Anreise

Achim

Govinda News / Sommer 07

Aug 2007

28

Liebe Freunde,

nach einer kurzen Sommerpause, die aber trotzdem nicht ohne Aktivitäten verblieb, möchten wir Euch kurz die aktuellsten Informationen mitteilen.

- Unser gemeinsames Govinda Wochenende ist diesmal für den 21. bis 23. September 2007 in Mühlleiten/Vogtland geplant. Informationen zur Anmeldung finden sich bei uns auf der erste Seite im Internet (www.waisenkind.de). Es wäre schön wenn wir dieses alljährliche Treffen auch diesmal mit vielen von Euch in einer lockeren und gemütlichen Atmoshpäre verbringen könnten.

Unser neuer Govinda Kalender 2008 ist durch Monika Lehmann bereits fertig erarbeitet worden und ab Oktober erhältlich, wir werden separat informieren.

Zudem haben wir in Nepal eine zweite Govinda CD "Sounds of Nepal II" aufgenommen, auf der diesmal auch eines unserer Waisenkinder vertreten ist. Die CD ist im Bazar der Website aufgeführt. Gleiches gilt für neue T - shirts die wir im Rahmen des Go 21 Projektes erstellt haben. Einfach mal den Bazar besuchen, es lohnt sich.

Viele weitere Aktionen in unseren Aktionskreisen Berlin, Dresden und Zürich fanden und finden statt, auf der Internetseite wird darüber immer aktuell informiert. Von Vernissagen, über Cocktailaktionen, bis hin zu Flohmärkten ist alles dabei. Aber auch die Möglichkeit im Aktionskreis ohne Handlungsdruck mit Gleichgesinnten oder Nepalfreunden zusammenzukommen ist eine gern wahrgenommene Option. Wer dabei sein möchte erfährt auf unserer Internetseite, wo jeder Aktionskreis seine eigene Seite hat, dazu mehr...

In Aalen findet vom 07.-09. September die alljährliche Cocktailbar auf den Reichstädter Tagen statt, wer noch mithelfen möchte kann sich gern unter: melden.

Die Projekten in Nepal laufen wie im Newsletter Juli 07 weiterhin sehr gut und wir werden in den Novembernews und auf der Mitgliedervollversammlung am 28.09.07 darüber eingehend informieren.

Vielen Dank für die vielfache Mitwirkung und Mitarbeit in Deutschland und der Schweiz und herzliche Grüsse

Euer Govinda Team

Zahnarztcamp in Jumla

Jun 2007

04

Vom 22. März bis zum 20. April wurde unter der Leitung des schweizer Zahnarztes Matthias Grawehr und weiteren Helfern, Sandra Bigler (Schweiz), David Maras (Tschechien), Chandra und Ram (Nepal) - im Westen Nepals bei Jumla ein Zahnarztcamp durchgeführt.
Im Rahmen dieses Projektes wurden 1.276 Menschen dieser ländlichen Region in Dörfern und Schulen über Zahnhygiene aufgeklärt. Dieses 'Awareness Training' wurde sehr begeistert aufgenommen. Es wurden weiterhin 407 Behandlungen - Zähne ziehen, Löcher stopfen, etc. - durchgeführt.
Detaillierter Bericht: Dental_camp_2007_eng.pdf

Verkettungen des Schicksals

Mai 2007

08

Die kleine Kalpana (übersetzt Imagination / Vorstellung) ist 8 Jahre alt und lebt in Bhulbule, einem Dorf auf 3200 m Höhe entlang der Grenze zwischen Jumla und Mughu, dem ärmsten Distrikt Nepals.
Ihr 16-jähriger Bruder Ratna kümmert sich bereits seit dem Tod ihrer Eltern vor 2 Jahren, um sie und den dreizehnjährigen Bala. Beide mussten bereits die Schule vor dem Tod der Eltern verlassen, da diese zumeist 5-6 Tage entfernt als Tagelöhner verdingt waren um das Essen der Familie zu sichern. Viele Familien leben in einer ähnlichen Situation, so dass tagtäglich 4-5 Flugzeuge mit Reissäcken des World Food Programs, im acht Stunden entfernten Jumla landen. Daraus resultierende Unterernährung ist eines der Hauptprobleme, und viele Kinder leiden unter „Wasserbäuchen“, Haarausfall und weiteren Mangelerscheinungen. Von 1000 erreichen daher und wegen mangelnder Hygiene und medizinischer Versorgung nur 864 das fünfte Lebensjahr

Bhulbule liegt wie fast alle Dörfer im Westen Nepals weit von jeglicher Zivilisation entfernt in einem kleinen Tal vor einem hohen Pass, dem Gurchi La, 5 Monate herrscht Winter in dem zumeist von der Sonne abgeschnittenen Tal, in der dem harten Boden nur geringe Mengen von Kartoffeln und Weizen abzuringen sind.
Die Schule in die Kalpana geht ist eine Stunde entfernt und das nächste Krankenhaus in Ghamgadi der Hauptstadt Mughus 6h. Als ihre Mutter an einem Darmverschluss starb und auch beim Schlaganfall des Vaters drei Monate danach, zeigte sich auch hier das die medizinische Versorgung unzureichend ist und weder Untersuchungen noch Diagnosen möglich sind.

Kalpana ist bereits seit 2 Jahren dafür zuständig für ihre Brüder das Essen zu kochen, wenn sie vom Feld heimkehren und so bereitet sie jeden Morgen Chapati vor, um es den Brüdern am frühen Morgen mit aufs Feld zugeben.

So ist es auch heute, aber an diesem Morgen des 8-en Aprils erscheint ein Ausländer in Begleitung eines nepalesischen Jugendlichen im Dorf. Sie erkundigen sich nach ihr. Der Fremde hält ein Bild von ihr in der Hand und erwähnt bereits, vor zweieinhalb Jahren bei den Kindern mit einem Freund bei ihnen beherbergt worden zu sein. Damals auf der Suche nach Projektmöglichkeiten in der ärmsten Region des Landes, und noch inmitten des Konflikts zwischen Maoisten und Armee. Damals so sagt er, währen sie aus Dankbarkeit für die sichere Unterkunft ein weiteres Mal gekommen und haben Ratna Stifte mitgebracht. Kalpana und Ratna erinnern sich.
Der Ausländer sagt er komme um ihnen das Bild Kalpanas überreichen, dass in ihrer Organisation auf Broschüren und Präsentationen oft verwendet würden und fragt den Bruder ob die Familie Unterstützung benötige, da ihnen das Schicksal der Familie seit 2 Jahren nicht aus dem Kopf gegangen wäre, er habe da an eine Unterstützung bei der Schulbildung gedacht.
Als Kalpana und ihr Bruder davon berichten was den Eltern widerfahren ist, erwähnen die beiden Fremden, das sie gerade 11 ihrer 50 Waisenkinder aus Jumla/ Mughu im Rahmen eines Reintegrationsprogrammes in die Heimatdörfer begleiten und Projektorte für ein Ausbildungsprogramm im Mughu auswählen. Sie sagen den beiden, dass sie Kalpana aufnehmen könnten.
Das achtjährige Mädchen, der Bruder und weitere Angehörige willigen sofort ein. Binnen zwei Tagen werden die Dokumente geprüft und bereits auf der Rückreise der Kinder des Shangrila Waisenhauses ist Kalpana fest in die Gruppe integriert. Kalpanas Bruder erfährt von den Angestellten in Jumla, dass das Projekt als erstes nepalesisches Waisenhaus ein Konzept über die Schulzeit hinaus habe und die (Re-) Integration der Kinder stets im Vordergrund stehe. Ratna ist beruhigt und hoffnungsvoll.

Eine weitere Reise steht vor Kalpana zusammen mit den anderen Kinder die erstmals seit 6 Jahren ihre Heimatdörfer besucht haben, um ihre Wurzeln nicht zu verlieren. Nicht einmal in der Schule hat sie von Straßen, Städten, Bussen und der Hauptstadt Kathmandu etwas gehört. Jeder Kilometer, den sie bislang in der Heimat lief, die Fremde an mittelalterlichen Zustände erinnert, musste hart erlaufen werden.
Kalpana ist heute am 14. April im Waisenhaus angekommen, die Patenschaft für sie wird durch den Ausländer abgedeckt.
Mehr gibt es bislang zu Kalpanas Geschichte vorerst nicht zu erzählen, nur eines noch, dass gerade die irrationalen Verkettungen des Schicksals manchmal seltsame Wege einschlagen und man gerade deshalb seiner Intuition so oft wie möglich folgen sollte.

„Startsocial 2006“ - Teilnahme an der Bundesprämierung am 22. März

Feb 2007

26

Unser Projektbeitrag „Nachhaltige Entwicklungsprojekte in Nepal und Bewusstseinsbildung für soziales Engagement junger Menschen in Deutschland“ hat es unter die letzten 25 Stipendiatenprojekte des startsocial-Wettbewerbs geschafft.
Am 22. März werden die Sieger im Beisein von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in Berlin geehrt.

Der von uns eingereichte Beitrag dokumentiert unsere neuen Strategien zu „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Fundraising“. Dazu gehören u.a. die Aktionskreisidee, zur Gründung neuer Govinda-Stammtische, das Projekt „GO21“ zur Einbindung Jugendlicher in die Vereinsarbeit und die neu entwickelten Unterrichtsmodule zur Präsentation unserer Projekte an Schulen.

Das Juryfeedback fiel in Bezug auf unser Konzept eindeutig aus. Vier voneinander unabhängige Juroren bewerteten das Projekt jeweils mit der Gesamtnote „sehr gut“.

Feedback- Auszüge
“Ihr Projekt zeichnet sich durch einen hohen Grad an Professionalität und eine Vielzahl innovativer Ideen gepaart mit wirksamer Hilfe aus. Was Sie im Laufe der letzten Jahre auf die Beine gestellt haben kann kaum hoch genug bewertet werden. Sie sind damit, so denke ich, ein perfektes Beispiel für das, was das startsocial-Projekt auf den Weg bringen möchte.“

„Hervorzuheben ist ebenfalls die Beharrlichkeit in der Umsetzung der Idee neben einer Hilfestellung in Nepal für einen Wertewandel in Deutschland einzustehen und langfristige Hilfe anzustreben. Grundsätzlich besitzt die Govinda Entwicklungshilfe e.V. das Potential zu einem Modell-Projekt, da eine Übertragbarkeit auf andere Regionen der Welt durchaus vorstellbar ist.“

„Besonders Beeindruckend ist dabei der Ansatz Multiplikatoren auszubilden und den Verein damit auf ein immer breiteres Fundament zu stellen.“

Startsocial 2006 - Detailliertes Juryfeedback Phase II

Entscheidungen, ...

Feb 2007

18

... die das harte Leben hier so verdammt gnadenlos machen.....

Sumitra kann die Augen kaum öffnen, so schmerzen die stoßartigen Krämpfe in ihrem Unterleib die sie seit 6 Tagen quälen. Das Atmen fällt ihr immer schwerer, aber zumindest die Blutung aus dem Unterleib hat aufgehört. Eigentlich wollte sie nach der Geburt von Ram, dem sechsten Kind, kein Weiteres mehr zur Welt bringen. Aber was hat sie schon für eine Wahl, ihr Mann weiß nichts von Verhütung, ist er doch wie sie selbst Analphabet? So hoffte sie nun ein weiteres Mal, dass das Kind gesund auf die Welt kommen möge und die Schwangerschaft keine zusätzlich Belastung für die Familie darstellen würde. Sie leben in Khabre, einem Dorf im Westen Nepals, das hinter zwei Bergketten einen halben Tagesmarsch von Jumla entfernt liegt. Entscheidungen werden hier nicht von ihnen, den Frauen getroffen, deren Alphabetisierungsrate in Khabre gerade 5% überschreitet, und die den Grossteil des Familieneinkommens nebst der Erziehung tragen müssen. Hier in Jumla sind Frauen dem Mann traditionell noch mehr untergeordnet, als es den vielen anderen Teilen Nepals der Fall ist. Wenn sie ihre Tage bekommen müssen sie der Tradition nach das Haus verlassen und diese selbst im Winter bei minus 20 Grad in einem Erdloch oder im Stall verbringen. Entzündungen und Vorfälle der Gebärmutter haben viele Frauen hier im Dorf, müssen sie doch nebst dieser monatlich wiederkehren-den Umstände auch nach der Geburt gleich wieder auf dem Feld arbeiten.
Und es ist wahrlich nicht einfach die Familie in dieser schönen aber unwirtlichen Bergregion zu ernähren und dem kargen, unwegsamen Landstück auf über 2600 m Höhe Nahrung abzuringen. Nach 6 Monaten sind die Vorräte meist zu Ende und Sumitra muss dann mit Ihrem Mann 3 Tagesmärsche weit entfernt auf den Feldern besser Situierter als Tagelöhnerin arbeiten. Die Großmutter nimmt sich dann ihrer Kinder an, die früh selbständig werden um dann auf dem Feld und im Haushalt mitarbeiten zu können.

Sumitras Schmerzen werden stärker und durch den zunehmenden Schwindel lässt ihre Konzentration zunehmend nach. Die beiden jungen Ärzte des Distriktkrankenhauses ordnen an, sie vom Platz vor dem Krankenhaus auf dem weitere 15 Patienten auf Bahren aneinandergereiht liegen, in den Maternity Ward (Frauentrakt) im Haus zu verlegen. Medikamente zur Reduktion einer möglichen Infektion durch den toten Fötus und ein Schmerzmittel wolle er ihr spritzen sagt Suman der Arzt mit belegter Stimme, mehr könne er nicht tun.
Suman kam vor 3 Monaten aus Kathmandu hierher und hat wie der zweite Arzt Binod, erst vor Kurzem das Studium zum Mediziner abgeschlossen. Lange hat er mit sich gerungen ob er diesen ersten Job seiner jungen Laufbahn annehmen solle. Keiner möchte hier arbeiten und fast jeder der da war, ersuchte binnen kurzer Zeit um die Versetzung. So anders und hart ist das Leben hier wenn man einmal in Kathmandu war. Kaum Mittel die zur Patientenversorgung zur Verfügung stehen, keine Strassen über die Transporte von Medikamenten oder Patienten möglich sind. Einzig die unregelmäßige Flüge verbinden Jumla mit dem Rest des Landes.
Im Gesundheitsministerium wurde Suman ein höheres Gehalt und Assistenz durch einen Chirurgen versprochen worden, er willigte ein. Als er sich in Jumla eingefunden hatte stellte er fest das beide Versprechen nicht eingehalten wurden. Das Gehalt war immens niedrig und er hätte in Kathmandu mehr oder zumindest gleich viel verdienen können. Auch ein Chirurg wurde nicht angestellt, statt dessen Binod der wie er selbst blutjunger Berufsanfänger und Allgemeinmediziner ist.

Suman verzweifelt an Fällen wie dem Sumitras. Das Kind in ihrem Bauch ist seit mindestens 5 Tagen tot, doch erst heute traf sie ein. Gynäkologische Fähigkeiten und technische Schulungen besitzt er keine, so dass er mit dem OP den die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) gebaut hat und dem gespendeten Ultraschall nichts anfangen kann. Alle paar Monate treffen zwar kleine Teams mit Chirurgen und Gynäkologen (von NGOs finanziert) für 3-10 -tägige Camps ein, behandeln einen Bruchteil der in langen Schlangen anstehenden Menschen und fliegen wieder ab.
Er muss hier bleiben, mit alltäglichen Gefühl als zuständiger Arzt für knapp 80.000 Menschen nicht helfen zu können. Auch das Röntgengerät ist nicht intakt, da der wenige Strom aus der Hydro-poweranlage nicht ausreicht. Erst letzten Monat war eine Frau mit einem Armbruch da, den sie nur notdürftig schienen konnten, der Arm starb binnen weniger Tage ab und die Patientin wurde notfallmäßig nach Nepalgunj in den Süden des Landes geflogen, wo nur noch eine Amputation vollzogen werden konnte

Mittlerweile sind alle vier Betten des Maternity Wards belegt. Schreie hallen durch den dunklen, kalten Raum, in dem neben Sumitra und ihrem hilflos dastehenden Mann nunmehr auch Sangita liegt. Sangita ist 28 Jahre alt und Mutter dreier Kinder. Auch ihr Baby ist bereits seit 3 Tagen tot in ihrem Bauch und sie erschien erst heute hier als die Schmerzen nicht mehr auszuhalten waren. Wie bei Sumitra hat auch Sangita bislang Hausgeburten gehabt und die Gesundheitsposten in den Dörfern waren wie so oft nicht besetzt, so dass kein Rat einzuholen war.
Diskussionen außerhalb des Hospitals finden statt: Wie lange schaffen es die Frauen noch bevor toxische Reaktionen durch die abgestorbenen Föten ihr Leben bedrohen, ist der Volumenausgleich für den Blutverlust ausreichend, wie viel Geld kann die Familie auftreiben um den Flug nach Nepalgunj zu bezahlen, ist noch Geld im Krankenhausfond um eine kleine Unterstützung zu leisten? Die Männer werden am Abend in die Dörfer geschickt um Geld einzutreiben, man vereinbart sich morgens um 8 zu treffen um eine eventuell morgens eintreffende Maschine nach Nepalgunj zu bekommen.

Es wird zunehmend kälter. Sobald Wolken aufziehen fällt die Temperatur in Jumla auch tagsüber unter Null. Eine dumpfe Vorahnung überfällt Suman, sollte es heute Nacht schneien könnte morgen kein Flieger landen und die bereits geringe Überlebenschance der Frauen würde sich nochmals immens verschlechtern. Und so kommt es, am morgen fällt Schnee und überdeckt das ganze Tal mit einem weißen Schleier.
Kein Flieger kommt. Warten. Hoffen, Selbstzweifel an der eigenen Unfähigkeit nicht helfen zu können, fluchen auf die, die in Kathmandu in den Ministerien ohne je da gewesen zu sein die personellen und finanziellen Entscheidungen hier treffen, Entscheidungen die das harte Leben hier so verdammt gnadenlos und angesichts der Vielzahl in Kathmandu niedergelassene Ärzte auch wahnwitzig machen. Entscheidungen jeglicher Logik entbehren, die tagelange unvorstellbare Qualen bedeuten, Familienschicksale bestimmen, und junge Ärzte wie Suman früh Resignation und das Gefühl des Versagen kennen lernen lassen. Entscheidungen die Menschen ....

Die zuständige Krankenschwester reißt Suman kurz vor 2 in der Nacht aus dem Erschöpfungsschlaf, die Vitalwerte einer Patientin hätten sich immens verschlechtert. Suman eilt in den Trakt. Sangita liegt fiebrig und matt im Bett, der Puls ist schwach und Reaktionen auf Reize erfolgen nicht mehr. Sie stirbt und soll den nächsten Morgen nicht mehr erleben, an dem die Sonne das Tal wieder erwärmen wird und an dem wieder Flugzeuge landen. Wie ihr Mann die Kinder versorgen wird, ist zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt. Sumitra schafft zumindest den ersten Schritt und wird am nächsten Morgen nach Nepalgunj geflogen.


(Impressionen eines nur 4–tägigen Aufenthaltes in Jumla, Februar 2007, Namen geändert)

Brabitra- In den Slums von Kathmandu

Jan 2007

18

Der kleine Brabitra sitzt am Ufer des kleinen Flusses der sich entlang der Straße zwischen Bhaktapur und Kathmandu den Weg bahnt. Kalt ist es an diesem Morgen, so kalt das viele Menschen bereits erfroren sind, und dennoch nimmt er unermüdlich Kleidungsstück für Kleidungsstück und taucht sie mit klammen Fingern in das bräunliche Gewässer in dem auch viel schwarzes, undefinierbares Getier schwimmt. Er solle die Kleidung mehrfach waschen und sauber zurückbringen, wird ihm die Mutter gesagt haben, die unweit des Flusses in den sich vergrößernden Slums um Kathmandu herum, eine Zelt-ähnliche Behausung ihr Eigen nennt. Eine nahezu wahnwitzige Aufgabe, angesichts des dreckigen Wassers.

3.3 Millionen Menschen fasst das Kathmandu Valley nunmehr, hunderttausende Migranten sind aus den Bergen in den langen und harten Jahren des Bürgerkrieges in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Moloch geflohen und viele von ihnen Enden hier in den sich stetig vergrößernden Randgebieten.

Ob Brabitra eine hoffnungsvolle Zukunft erwarten wird ist unklar, unsicher ist ob der dreijährige jemals die Schule besuchen wird. Auf jeden Fall wirkt er bereits jetzt um einiges älter als ein europäischer Zeitgenosse im gleichen Alter, als er stockend und erst nach einiger Zeit Vertrauen fasst und von seinem „Zuhause“ in den Slums zu erzählen beginnt.
Es ist die Zeit des Wandels in Nepal und sie ist unabdingbar und gnadenlos wie nie für jene die den Stillstand des Landes vorangetrieben haben. Soeben haben die sieben verbündeten Parteien (SPA) die Übergangsverfassung beschlossen, wie auch die Sitzverteilung im Parlament. Nichts Ungewöhnliches möge da so mancher denken, man solle lieber abwarten wie die Verfassungsgebende Versammlung im Juni ausginge. Aber so wenig ist es nicht was sich derzeit in Nepal verändert, ist doch durch die Parlamentsbesetzung eine Mehrheit linker Parteien nunmehr tonangebend und keine rationale Chance für eine Rückkehr des Königs mehr gegeben. Postum wurde ein Nationaler Feiertag ausgerufen, und der 400-jährige Feiertag zu Ehren der Shah Dynastie abgeschafft. Mobile Teams werden in jeden Distrikt des Landes geschickt, um den Millionen Nicht- Wahlberechtigten endlich nach Jahren des Kampfes mit der korrupten Bürokratie die Staatsbürgerschaft zu ermöglichen.
Hoffnung durch konsequenten Wandel verspürt man in diesen Tagen in den Gesichtern und Aussagen der Menschen hier, auch wenn die Erfahrungen mit korrupten Politikern aller Parteien nicht von heute auf morgen vergessen werden können. Selbst der 83-Jährige Übergangspremier Koirala, der für fast keinen Nepalesen, ob seines häufigen Gesinnungswechsels einschätzbar ist, verweigerte König Gyanendra eine Last Minute Audienz, in der dieser Wohl die letzte Chance zum Machterhalt nutzen wollte.

In unseren Projekten sind ebenfalls Umstellungen im Gange. Durch den Aufbau eines weiteren Projektes im Westen des Landes (Regionen aus denen viele Migranten entstammen), die Erweiterung des Scholarshipprogrammes und in Vorbereitung auf die Reintegration der Waisenkinder stellen wir die Projektstrukturen nunmehr um.
Es ist auch notwendig, da die Organisation nunmehr 60 Angestellte umfasst und 1100 Kindern und 3250 Dorfbewohnern und 128 Studenten im Westen des Landes Unterstützung gewährt. Unser Waisenhausmanager Achyut und unser Schuldirektor Dikendra werden demnach in Zukunft projektübergreifende Aufgaben übernehmen, und von 5 Projektmanagern und dem Partnerverein Unterstützung erfahren. Die Erarbeitung dieser neuen Strukturen und Neueinstellungen von Personal sind derzeit am laufen. Unsere Scholashipcoordinator Rajesh wird zudem wieder über 200 Anträge prüfen damit 20 weitere Scholarshipkinder ab April in der Schule, die dann erstmals bis Klassenstufe 10 läuft, aufnehmen zu können.

Es gäbe noch viel zu erzählen, von Umwelttagen im Waisenhaus, über die super Arbeit unserer Volontäre hier im Projekt, bis hin zu den Erfahrungen im Westen des Landes. Aber darüber berichte ich ein anderes Mal.

Bis zum nächsten Newsletter aus Nepal, mit herzlichen Grüssen

Rocco Umbescheidt
i.A. des Vorstandes
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